Einzelprojekte
abgeschlossen

Figuren des Wissens. Begriffsgeschichte nach dem cultural turn (Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin)

"Die lexikalischen Großprojekte zur Begriffsgeschichte (Geschichtswissenschaft, Philosophie, Rhetorik, Ästhetik etc.) sind bzw. werden demnächst abgeschlossen. Begleitet wurde ihre Realisierung zugleich von einer kulturwissenschaftlichen Wende der Geisteswissenschaften, die keineswegs zu einem abnehmenden Interesse an Begriffsgeschichte und historischer Semantik, vielmehr zu ihrer doppelter Öffnung geführt hat: zum einen zur Erweiterung des Gegenstandfeldes durch Überwindung segmentierter Kulturbegriffe, durch die Erweiterung der Wissenschafts- zur Wissensgeschichte, durch Einbeziehung von Praktiken und Medien sowie insbesondere der Naturwissenschaften, deren Semantik bislang kaum historisch reflektiert wurde. Zum anderen ist die jüngere Bedeutungsforschung in methodischer Hinsicht stärker an einer Verbindung diskurstheoretischer, sprachpragmatischer, metaphern-, etymologie- und mediengeschichtlicher Fragestellungen interessiert; zugleich ergeben sich mit der Digitalisierung und Vernetzung des Wissens, neben neuen technischen Möglichkeiten, Fragen nach der Repräsentation der Ordnung des Wissens. Das Projekt will in einem ersten Schritt die bisherigen begriffsgeschichtlichen und historisch-semantischen Forschungen und Debatten im nationalen und internationalen Rahmen in einem Handbuch der Begriffsgeschichte und historischen Semantik resümieren. [...] In einer weiteren historischen Perspektive sollen dabei die diskursiven Voraussetzungen von Begriffsgeschichte analysiert werden, in einer engeren die disziplinären Projekte verglichen, ihre Realisierung an ihren Ansprüchen gemessen, der Forschungsstand der theoretisch-methodischen Debatten zusammengefaßt sowie begriffsgeschichtliche Experimente gesichtet werden. Ausgehend von diesem Resümee begriffsgeschichtlicher Unternehmungen und ihrer Desiderate soll in der zweiten Projektphase methodisch und organisatorisch ein kulturwissenschaftlich-interdisziplinäres Wörterbuch der Figuren des Wissens konzipiert werden. Dabei soll ‚Figur’ als ein heuristisches Instrument erprobt werden, mit dem die Dichotomien von konzeptualisiertem Begriff, Metapher, Diskurs und Sprachpragmatik unterlaufen werden, um insbesondere semantische Transfers, Übersetzungen und Registerwechsel zwischen Wissensformen zu erfassen."

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Quelle der Beschreibung: Information des Anbieters

Kontakte

Ernst Müller
Falko Schmieder

Institution

Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZfL)
Deutschland