Einzelprojekte

Hör/Säle der Literatur. Die sonore Inszenierung des Literarischen in der deutschen Literatur der Nachkriegszeit zwischen 1947 und 1967

"Das Projekt fokussiert die deutsche Literatur der Nachkriegszeit in den beiden Jahrzehnten zwischen 1947 und 1967 im Hinblick auf die für diese Phase grundlegende vokal-akustische Konzeptualisierung und Inszenierung des literarischen Prozesses. Es widmet sich damit dem bislang wenig reflektierten Umstand, dass sich der Literaturbetrieb nach 1945 zunächst als eine „sonore Szene“ (Barthes) entfaltete, wobei die sich wieder herausbildenden literarischen Netzwerke von ‚einfachen Systemen direkter Kommunikation unter Anwesenden‘ (Luhmann) dominiert wurden. Literatur operierte, so die Forschungsannahme, in den beiden Nachkriegsdekaden vor allem als stimmliche Verlautbarung von Texten verschiedener Gattungen in Hör/Sälen unterschiedlicher Provenienz, wobei die Vor/Lesung jeweils auf die direkte (kritische) Resonanz von anwesenden Auditorien ausgerichtet war. Die zentrale Hypothese des Forschungsvorhabens besteht also in der Annahme, dass für den sich nach dem Kriegsende neu herausbildenden Literaturbetrieb ein stimmlich-akroamatischer Horizont prägend war, in dem sich eine Poetologie des Zu-Gehör-Bringens ausbildete, die die Verfahren der Textproduktion an die kritische Resonanz von Auditorien band. Sonorität war als regulative Idee bestimmend für die sich etablierenden Institutionen und Orte, an denen literarische Diskurse prozessiert wurden, ebenso wie für die Verfahren und Medien dieser Prozessierung sowie schließlich für die Genese der literarischen Texte selbst. Das Vorhaben wendet sich diesem Problemfeld in Literaturstudien und in quellengestützten Fallstudien zu, die zu einem historisch-systematischen Tableau zusammengeführt werden sollen. Die Fallstudien stützen sich auf umfangreiches Archivmaterial, das auch bislang in der Forschung noch nicht ausgewertete akustische Quellen umfasst."

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Quelle der Beschreibung: Information des Anbieters, bearbeitet

Kontakte

Natalie Binczek

Institution

Ruhr-Universität Bochum (RUB)
Germanistisches Institut
Deutschland