Einzelprojekte

Sprache und gesellschaftliches Wissen: Frame-Semantik und Linguistische Epistemologie (Universität Düsseldorf)

"In semantischen Analysen, die sich nicht nur auf das oberflächliche Bedeutungswissen beschränken, wie es etwa in Wörterbucheinträgen zu den Wortschatzelementen einer Sprache verzeichnet ist, sondern die das gesamte bedeutungsrelevante Wissen in Bezug auf ein Wort, einen Satz, einen Textausschnitt erschließen wollen, geht es vor allem um die Rekonstruktion von Wissensrahmen. Die in der linguistischen Forschungstradition weit verbreitete Spitzfindigkeit, bei der Analyse solcher Wissensrahmen zwischen einem sogenannten 'sprachlichen' und einem sogenannten 'nichtsprachlichen' oder 'enzyklopädischen' oder 'Sachwissen' unterscheiden zu wollen, hilft bei der Untersuchung des verstehensrelevanten Wissens nicht weiter. Sprachwissen und Weltwissen stehen nämlich ein einer unauflöslichen Verschränkung, so dass jede Semantik, die in verstehenstheoretischer oder kognitiver Hinsicht ernst genommen werden will, es sich nicht mehr leisten kann, strikt zwischen sprachlichem und außersprachlichem verstehensrelevanten Wissen zu unterscheiden. Ziel einer solchen Neubestimmung von Theorie und Methodik sprachwissenschaftlicher semantischer Analyse ist das, was man eine linguistische Epistemologie nennen könnte, d.h. ein Ansatz, der das für die Bedeutungsentfaltung sprachlicher Einheiten (Wörter, Sätze, Texte) relevante gesellschaftliche Wissen in seinen Wissensrahmen und Ordnungsstrukturen erschließen möchte, gleich, welcher Provenienz dieses Wissen sein oder in welche Schubkästchen es üblicherweise eingeordnet werden möge, d.h.: ohne sich selbst in sachlich nicht zu rechtfertigende Grenzen einzusperren."

mehr lesen weniger lesen
Quelle der Beschreibung: Information des Anbieters